Unser ganzes Leben ist bestimmt von Entscheidungen: Mache ich meinen Wecker aus oder drücke ich auf die Schlummertaste? Esse ich Müsli oder ein Marmeladenbrot zum Frühstück? Mache ich Sport oder schaue ich einen Film?

Wie jedem bewusst sein sollte, haben die meisten dieser Entscheidungen für sich alleine keinen entscheidenden Einfluss auf den Verlauf meines Lebens. Manche dieser Entscheidungen allerdings schon: Welches Studium wähle ich? Oder doch lieber eine Ausbildung? Wo möchte ich arbeiten und als was? Möchte ich eine Familie haben? Wie viel Zeit möchte ich in meinen Job investieren und wie viel Zeit bspw. für ehrenamtliches Engagement, Hobbies und Freunde? Die Liste dieser Fragen ist lang, aber zum Glück muss man diese Entscheidungen meistens nicht von einem Tag auf den anderen treffen.

Die Entscheidung für mein Studium hat sich während meines Abiturs mit beruflichem Schwerpunkt ausgebildet: Statt wie zuvor von mir geplant Maschinenbau zu studieren, habe ich mich für Elektrotechnik entschieden, weil es mir mehr Spaß gemacht hat. Die Entscheidung für einen Arbeitgeber war auch nicht so schwer: Damals wollte ich zu einem Dienstleistungsunternehmen in der Region und Firmen mit Dienstleistungsangeboten im Internetbereich hatte ich noch nicht im Blick. Übrig blieben die Bahn, Energieversorger und eben die Deutsche Flugsicherung, auf die mich mein Vater aufmerksam gemacht hat. Um ehrlich zu sein habe ich mich damals nicht so intensiv mit der Entscheidung auseinandergesetzt, wie es ihr Einfluss auf mein Leben vielleicht vermuten lässt. Aber bei der Flugsicherung habe ich mich sofort wohl gefühlt und alle anderen Unternehmen haben entweder nicht ausgebildet oder mich abgelehnt. Nach drei Semestern Studium stand nun aber die nächste große Entscheidung in meinem beruflichen Werdegang an: Die Wahl meiner Vertiefung.

Kurz zum Rahmen: An der Hochschule in Darmstadt steht nach 3 Semestern Grundstudium im Bachelor eine Vertiefungswahl an. Zur Verfügung stehen dabei Energietechnik, Automatisierungstechnik und Kommunikationstechnik. Diese drei unterscheiden sich so stark, dass man schon nach einem Semester mit seinen „ehemaligen“ Kommilitonen quatschen kann und nichts mehr ohne eine ausführlichere Erklärung versteht. Energietechnik kam für mich nicht in Frage. Alles, was mich wirklich daran reizte, waren Aspekte, die eigentlich nicht zur Energietechnik, sondern zu den anderen beiden Fachrichtungen gehören. Ich musste mich also zwischen Automatisierungstechnik und Kommunikationstechnik entscheiden. Von Seiten der DFS war ich schon von Anfang an angehalten, Kommunikationstechnik zu wählen, weil das eben genau das ist, womit sich die DFS beschäftigt: Hochfrequente Signale, Radartechnik, Funk, Netzwerke und, in letzter Abstraktion, natürlich der Austausch von Informationen. Das ist das, worum es in der Kommunikationstechnik geht: Wie kriege ich Informationen von A nach B? Dabei beschäftigen wir uns mit Funk-Übertragungen, Datenkompression, Glasfaserkabeln, Datenspeicherung, wie das Internet „funktioniert“ und mit Effekten, von denen selbst viele Elektrotechniker nichts wissen. Der Kampf gegen all die Störungen, die uns das Leben schwermachen wollen, ist letztendlich die Jobgrundlage und -sicherung eines Kommunikationstechnikers. Und im heutigen Zeitalter findet sich in fast jedem elektronischen Gerät Kommunikationstechnik, selbst in solchen, von denen man sich fragt, was ich mit dieser Information will (was bringt es mir bspw., wenn mein Handy mir auf Arbeit sagen kann, dass meine Waschmaschine fertig ist und sich aus Langeweile einem globalen Netzwerk aus Geräten für Hacker-Angriffe angeschlossen hat?). Das macht die Kommunikationstechnik auch so spannend und vielseitig. Wenn mich jemand fragt, wo ich mit meinem Studium später arbeiten kann, so lautet meine Antwort: „Eigentlich überall.“ Vor allem im Zeitalter der derzeitigen „totalitären“ Vernetzung werden Leute gebraucht, die wissen, was dabei wichtig ist und worauf man achten muss.

Falls es Dir noch nicht aufgefallen ist: Ich habe mich für die Kommunikationstechnik entschieden. Und ich stehe voll dahinter! Aber wenn ich so davon überzeugt bin, warum habe ich mir überhaupt Gedanken darüber gemacht, welche Vertiefung ich wähle? Weil die Fachrichtung Automatisierungstechnik der Kommunikationstechnik eines voraus hat, was sich in bei uns in der Lehre zumindest nur sehr spärlich findet: Programmierung. Und das nicht nur von „Hello World“-Programmen oder einem Programm, was den Wert eines Potentiometers in der Helligkeit einer LED abbildet, sondern die Programmierung von bspw. Industrierobotern. Und alle Kommilitonen von mir, die mich ein bisschen kennen, werden euch bestätigen können, dass mir die Progammier-Fächer sowohl im Grundstudium als auch in der Vertiefung mit am besten gefallen haben und mir auch am leichtesten von der Hand gingen. Gerne würde ich auch in meiner späteren Beschäftigung Gelegenheiten haben etwas zu programmieren. Dabei rangiert mein Know-How natürlich nicht auf dem eines Informatikers, nicht einmal ansatzweise. Aber es macht mir sehr viel Spaß, Anwendungen zu programmieren und dann zu sehen, dass sie funktionieren. Das macht mich zu einem Entwickler, was in der Hardware-Entwicklung direkt etwas schwieriger umzusetzen ist und mehr Hingabe und auch nicht nur meinen Laptop benötigt.

 

Eine große Hilfe bei dieser Entscheidung waren die Studenten der höheren Semester. Sie haben mir und meinen Mit-Studenten aus der DFS beständig Tipps zu Professoren und Fächern gegeben: Was ist bei welchem Professor wichtig? Wessen Vorlesung verlässt man mit mehr Verwirrung als vorher? Wer ist menschlich der Beliebteste? Von welchem Wahlfach lassen wir lieber die Finger, weil der Aufwand dafür unverhältnismäßig hoch ist?

Nun haben in der Vergangenheit aber nahezu alle Studenten der DFS Kommunikationstechnik gewählt. Ich wusste nur von einem einzigen ehemaligen Studenten, der Automatisierungstechnik gewählt hatte und bei der DFS gearbeitet hat. Da ich auch einen tieferen Einblick in die konkreten Inhalte dieser Vertiefung erlangen wollte, habe ich mich mit ihm verabredet und wir haben uns darüber unterhalten. Er hatte dazu eine Liste mit allen Kursen dabei, die er belegt hat. Wir sind jeden einzelnen durchgegangen und er hat mir etwas zum unterrichtenden Professor und dem Inhalt des Fachs erzählt. Dabei habe ich folgendes festgestellt: Die Fächer, die mich am meisten reizten, hat er als eher enttäuschend wahrgenommen. Hinzu kommt, dass in dieser Vertiefung die Laborplatzvergabe1 nicht mehr wie im Grundstudium online erfolgt, sondern vor Semesterbeginn in einem der Vorlesungssäle, was wohl regelmäßig zu Handgreiflichkeiten führt. Damit konnte ich gar nichts anfangen (In KT erfolgt die Laborplatzvergabe weiterhin online). Nach diesem Abend war ich ernüchtert von der Automatisierungsvertiefung und meine Entscheidung stand fest: Ich wähle Kommunikationstechnik. Diese Entscheidung habe ich bis jetzt, ein Jahr später, nicht bereut. Ich habe sehr viel Spaß an den Vorlesungs- und Laborinhalten und merke immer mehr, dass ich mich genau für das Richtige entschieden habe. Vor allem, wenn ich mich mit ehemaligen Kommilitonen unterhalte, die sich für Automatisierungstechnik entschieden haben, welche mir dann von überschneidenden Laborveranstaltungen und einer deutlich höheren Arbeitsbelastung erzählen. Und von Laborsoftware, die so instabil läuft, dass sie immer wieder einen Großteil der ihnen zur Verfügung stehenden Zeit benötigen, um diese überhaupt zum laufen zu bringen. Meine Labore hingegen haben mich inzwischen dazu inspiriert, das von mir gelernte auch mal in die Tat umzusetzen. Ich habe mir einen Raspberry Pi besorgt und möchte mit ihm ein individuelles Beleuchtungssystem entwerfen. Die Kommunikationstechnik steht dabei zwar nicht im Vordergrund, spielt aber eine nicht untergeordnete Rolle. Sobald die Klausuren vorbei sind, möchte ich endlich richtig damit durchstarten. Vielleicht hört ihr ja mal davon.

1 Labor: Eine Laborveranstaltung beinhaltet mehrere Versuchstermine, in denen die Inhalte der Vorlesung an extra eingerichteten Messplätzen oder echten Geräten aus der Industrie praktisch erprobt und umgesetzt werden.