So ziemlich alle Berichte über die Ausbildung zum Fluglotsen beinhalten das Gleiche: Schwieriges Auswahlverfahren in Hamburg, noch schwierigere HU in Hamburg, Infotag, Ausbildungsbeginn – Ende. Dass das nur die halbe Miete ist scheinen viele Leute zu übersehen. Was in einem Bewerber von der ersten Sekunde der Bewerbung bis hin zum Start der Ausbildung vor sich geht ist bisher nie wirklich publik gemacht worden. Und ich, frisch vom Infotag in Langen in die Heimat zurückgekehrt werde damit anfangen.

Natürlich kitzelt es mein Ego, wenn Ich auf der DFS Website dazu motiviert werde mich für ein Auswahlverfahren anzumelden bei dem 90% direkt wieder nach Hause fahren dürfen. Genau das ist der Punkt.

Die Herausforderung suchen, sich ein Ziel setzen und alles dafür geben, den Willen entwickeln es zu schaffen und im Endeffekt einfach hoffen der richtige zu sein. Vielleicht bin ich eine Ausnahme, aber in meinem bisherigen Leben hatte ich bis auf ein paar private Flüge in den Urlaub recht wenig mit der Luftfahrt zu tun. Andere Bewerber erzählten voller Stolz von Flugstunden, einem Studium in der Luftfahrt oder einfach nur wie begeistert Sie vom Fliegen sind. Ich hingegen sah Fliegen als Mittel zum Zweck. Nichts anderes als Busfahren in super schnell, super hoch und super kompliziert, aber warum habe ich mich dann beworben? Ganz einfach, einer der wichtigsten Berufe Deutschlands ist es das zu koordinieren wovon andere kaum etwas mitbekommen. Wir setzen uns in ein Flugzeug, fahren, fliegen, landen und steigen wieder aus. CEN SEN kontrollraum-5103_hrAlles was drum herum passiert kennt man höchstens aus Filmen in denen im Tower wild mit Ferngläsern rumhantiert wird. Dass das nicht die Realität sein kann war mir klar, näheres wusste ich jedoch nicht. Also macht man sich schlau, durchforstet das Internet, sieht sich Videos an, liest Beiträge in Foren usw. Umso mehr ich über den Job erfahren habe desto eher sah ich mich im Tower (oder wie neu gelernt im Center). Und da es kein Geheimnis ist, dass die Menschen in diesen Traumjob auch noch gutes Geld verdienen hat es nicht lange gedauert bis die DFS meine erste Bewerbung auf dem Schreibtisch hatte.

Eine nette Dame meldete sich per Mail und ließ mich erst mal einen mehr als ausführlichen Fragebogen ausfüllen. Wenn ich ehrlich bin malte ich mir dabei schon aus wie ich im Tower sitze… Hätte ich gewusst was noch alles auf mich zukommt, hätte ich diesen Gedanken noch ein paar Monate in die Zukunft verschoben. Als alles abgeschickt war, fing die schlimmste Phase an, die sich leider immer und immer wiederholte. Das Warten. Eine gefühlte Ewigkeit später wurde ich dann nach Hamburg eingeladen. Wie viele Erfahrungen man in so wenigen Tagen sammeln kann wusste ich bis dahin definitiv noch nicht. Ich würde nicht lügen, wenn ich die VU (Voruntersuchung) als Abenteuer beschreiben würde. Die Blicke von 30 nervösen Jugendlichen, gepaart mit Aufgaben die an die Substanz gingen, wie der allseits beliebte Vigilanz Test, brachten mich zum Glück nicht aus der Verfassung und somit schaffte ich als einer von 20 (Dass 2/3 der Teilnehmer die VU bestehen ist absolut nicht die Regel!) den Sprung in die HU (Hauptuntersuchung). Naja, nicht ganz da unsere VU aufgrund zu vieler erfolgreicher Bewerber zweigeteilt wurde. Also ging es wieder los, das Warten.

Ich studierte damals noch und wurde mit der Zeit immer unzufriedener mit meinem Studium, was mich immer mehr hoffen ließ bei der DFS neu Fuß fassen zu können und einen komplett anderen Weg einzuschlagen. So geht es übrigens vielen Bewerbern und auch das Phänomen des Lotsen der eigentlich mal Pilot werden wollte ist nicht selten. Als es dann endlich zum zweiten Teil der VU kam, nämlich den Gerätetests, war die Reise nach Hamburg schon um einiges angenehmer. Ich kannte mich aus, wusste was mich erwartet und war voller Motivation. Für die Tests war im Vorfeld leider nicht zu lernen, was das ganze um einiges spannender gemacht hat. Ich hatte Glück und konnte Ruhe bewahren, bin gelassen an die Aufgaben rangegangen, habe Tipps befolgt und war im Endeffekt einer der glücklichen die auf ihren HU Termin warten können. Warten. Schon wieder.

Archiv-Nr.: 15 KE 0540-01 Datum 23.06.2015 | Info: DFS-Tower Flughafen München | Blick von dem Besucherhügel auf den Tower und auf das Terminal 1. Bedingungen für die kostenlose, honorarfrei Verwendung des Bildmaterials : 1. Alle Rechte an den Aufnahmen liegen unverändert bei der DFS Deutsche Flugsicherung GmbH. 2. Unsere Fotos dürfen nur unter Angabe der Quelle veröffentlicht werden. 3. Sie erhalten die Aufnahmen nur zur einmaligen Verwendung / Veröffentlichung, Sie sind nicht berechtig, die Aufnahmen für andere Zwecke (andere Veröffentlichungen) zu nutzen oder die Aufnahmen über eine Bilddaten für andere Nutzer zugänglich zu machen. 4. Im Falle einer Veröffentlichung (Druckmedien) bitten wir um die Zusendung von zwei Belegexemplaren. Herzlichen Dank!Diesmal ging es relativ schnell, nach wenigen Wochen wurde ich zur Sagen umwobenen HU eingeladen. Das Verhältnis zu meinen Mitbewerbern wurde von Mal zu Mal besser, auch wenn es jedes Mal andere Gesichter waren die mich im Warteraum der DLR anlächelten. Kein Wunder, denn Fluglotse zu werden heißt nicht nur mit Zahlen hantieren zu können und Flugzeuge zu mögen. Es ist eine Charakterfrage. Eine bestimmte Gruppe Mensch wird gesucht und so war es nicht überraschend, dass meine Mitbewerber und ich auf einer Wellenlänge waren. Nach vielen Tests, Aufgaben und schlaflosen Nächten auf meinem nun 3. Hamburg Ausflug kam es zum Tag der Entscheidung. Der Tag des Bewerbungsgesprächs. Ich möchte nicht groß über den Inhalt schreiben, das wurde zu genüge gemacht und unter einem Bewerbungsgespräch kann sich jeder etwas vorstellen. Aber wichtigster und einziger Tipp von mir: Bleib gelassen, nimm manche Fragen lieber mit Humor als zu ernst und lass dir von Nervosität nicht die Tour vermiesen. Im Job endet das später auch nicht gut…

Am Ende des Gesprächs wurde ich gebeten den Raum zu verlassen und den Interviewern ein wenig Zeit für Beratung zu lassen. Wieder ein Mal durfte ich warten. Diesmal keine Monate, keine Wochen, keine Tage. Aber die längsten 20 Minuten meines ganzen Lebens! Glücklicherweise wartete ich auf eine der bisher schönsten Nachrichten meines Lebens: Ich hab’s geschafft! Mir wurde eine Art „Vorvertrag“ ausgehändigt. Diesen durfte ich unterschreiben (Den Stift den ich dabei benutzte habe, habe ich im Eifer des Gefechts aus Versehen mitgehen lassen und benutze ihn noch heute) und ich machte mich bereit für ein neues Leben.

Heute, wenige Tage vor Beginn meiner Ausbildung habe ich alles verarbeitet und freue mich endlich an der Akademie in Langen durchstarten zu können. Meinen Kurs habe ich bereits kennengelernt, eine Gruppe von 7 Jungs in meinem Alter mit denen ich mich auf Anhieb gut verstand. Wir, der FVK277 (wir alle werden zu Tower-Lotsen ausgebildet) trafen uns alle zum ersten Infotag in Langen und lernten unser zweites Zuhause für das nächste Jahr kennen. Wir verbrachten viel Zeit im Simulator, hatten Probeunterricht und bekamen eine private Tour durch die (noch) so wirr wirkende Akademie. All das mit einer Grundstimmung die ich vorher gar nicht kannte. Uns wurde das Gefühl vermittelt ab jetzt Leistung zeigen zu müssen, aber dass wir immer jemanden haben auf den man sich verlassen kann, wenn es mal schwierig wird. Diese fast schon familiäre, kollegiale Grundstimmung macht die DFS zu einem so besonderen Arbeitgeber wie kaum einen zweiten.

Es war also ein langer Weg bis hier hin und der aufregendste und wichtigste Teil steht mir noch bevor. Ich freue mich auf alles was kommt und kann nur jedem Leser nahebringen sich bei der DFS zu bewerben. Was ich beim Auswahlverfahren gelernt habe, wie viele nette Menschen ich getroffen habe und zu sehen wie sehr ich mich auf ein Ziel im Leben einschießen kann war es allein wert. Ich bin froh es getan zu haben und hoffe bald in der Akademie viele neue motivierte Gesichter zu sehen.

Gerne halte ich euch auch weiterhin auf dem Laufenden und berichte euch von meinem weiteren Ausbildungsweg zum Tower-Lotsen.

Euer Fabian