Schon wieder ist eine ganze Weite vergangen, als ich euch das letzte Mal im Azubiblog von meiner Ausbildung zum Fluglotsen berichtete. Damals stand ich kurz vor dem Rating A, jetzt bin ich schon wieder ein ganzes Stück weiter.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAIm fast viermonatigen Rating A (die zweite Phase der ersten fünfzehn Monate) ging es hauptsächlich darum, am Simulator den Luftraum und die Flugrouten kennen zu lernen sowie bereits erste komplexere Verkehrsprobleme zu lösen. Hintergrund ist, dass die Azubis nicht ohne Vorbereitung ins Rating B gehen, in welchem sich die Verkehrsdichtete nach und nach steigert. So hat man von einigen Verkehrssituationen schon gehört und eine bessere Vorstellung, wie diese gelöst werden können. Außerdem ist der Flugsimulator Bestandteil der Fluglotsenausbildung. Hier sollen wir Eindrücke erhalten, mit welchen Aufgaben sich Piloten während des Fluges beschäftigen, um besser nachvollziehen zu können, mit welcher Arbeitsbelastung wir auf der anderen Seite der Sprechfunkverbindung zu rechnen haben. Im Rating A gab es neben den drei Theorietests auch das Sprechfunkzeugnis bei der Bundesnetzagentur abzulegen. Dieses berechtigt uns nun, am Flugfunk in deutscher und englischer Sprache teilzunehmen. Im Anschluss daran gönnte man uns drei Wochen Urlaub. Momentan befinde ich mich im Rating B.

Um genau zu sein, habe ich bereits wieder eineinhalb von viereinhalb Monaten hinter mir. Wir arbeiten inzwischen zu 95 % am Simulator und haben nur ein bis zwei Mal pro Woche theoretische Briefings. Neu bei unserem (und allen folgenden) Kursen sind 10 schriftliche Tests, damit die bereits gelehrte Theorie aus Basic und Rating A nicht ins Hintertreffen gerät. Dazu kommen zwei theoretische Zwischenprüfungen und die praktische Abschlussprüfung in der zwanzigsten Woche. Im „SIM“ arbeiten wir seit Beginn des Rating B im Verbund. Das heißt, dass wir die drei virtuellen Sektoren (Langen Approach, Würzburg und Donau) gleichzeitig auf den entsprechenden Arbeitspositionen bearbeiten. Somit beeinflussen die Entscheidungen des einen Lotsen den nächsten direkt mit.

Eine spürbare Belastungssteigerung war der Beginn des Rating B, als wir auf einmal fünf einstündige Runs am Tag absolvieren mussten. Dazu kamen später sogar zweistündige Runs. In der ersten Woche des Rating B waren wir alle total erschöpft und unterlagen der erhöhten Belastung. Aber bis heute haben wir uns bereits daran gewöhnt und können nun konzentriert an den vor uns liegenden Herausforderungen arbeiten. Im Allgemeinen kann man sagen, dass man sich sehr schnell an die höheren Belastungen und das gesteigerte Verkehrsaufkommen anpasst und lernt, mit dem Zeitdruck umzugehen.

Jeden Tag aufs Neue lernt man seine ganz persönlichen Grenzen kennen und versucht, diese um ein kleines Stück zu verschieben. Es ist prinzipiell so wie im Leistungssport: du musst täglich kämpfen, um den Anforderungen gerecht zu werden. Doch was am Ende des Tages immer bleibt ist der Spaß an der Ausbildung, der ist bei noch keinem von uns verloren gegangen. Und mit dieser Einstellung wartet sicher einer der interessantesten und angesehensten Berufe auf uns.

Über den Autor:

Mein Name ist Robert Seifert. Als ehemaliger Leistungssportler bin ich schon immer viel in der Welt herumgekommen und fand mich regelmäßig auf diversen Flughäfen ferner Länder und Europas wieder. Seit einem Schulpraktikum auf dem Dresdner DFS-Tower hatte ich immer das Ziel, nach dem Ende meiner sportlichen Laufbahn Fluglotse zu werden. Nach meinem Abitur 2007 absolvierte ich erst eine Ausbildung zum Notarfachangestellten und leistete dann meinen Dienst in der Bundeswehr als Sportsoldat ab. Im Laufe des Jahres 2013 musste ich die verschiedenen Etappen des DFS-Auswahlverfahrens durchlaufen. Im September 2014 habe ich meine Ausbildung zum Centerlotsen im unteren Luftraum dann schließlich beginnen dürfen.