Jetzt sind die Grundlagen meiner Fluglotsenausbildung bereits gelegt.

Nach den zwei Wochen Luftfahrtenglisch gleich zu Beginn der Ausbildung ging es endlich richtig los. Wir erhielten zehn Ordner mit den Manuskripten für Unterrichtsfächer wie Aircraft, Meteorology, Air Navigation, Air Traffic Management usw. Wir dachten erst, dieser Stoff sei in der gesamten Zeit an der Akademie (ca. 15 Monate in meinem Fall) zu lernen. Doch diese zugegebenermaßen etwas leichtsinnige Hoffnung verpuffte direkt im Anschluss wieder. Niemals hätte ich gedacht, dass man diese enorme Menge an Wissen in der Kürze der Zeit von fast fünf Monaten aufnehmen kann. Doch dass es möglich ist, beweisen sich die Azubis hier mit jedem Kurs aufs Neue.

Aber Stück für Stück: Der Abschnitt „Basic“ (die ersten fünf der fünfzehn Monate) teilt sich in drei Teile, welche jeweils anhand einer schriftlichen Prüfung bestanden werden müssen. Dabei summiert sich das vermittelte Wissen im Laufe der Zeit auf, sodass leider auch mal die ein oder andere bereits beherrschte Information wieder ins Hintertreffen gerät. Zum Bestehen der einzelnen Prüfungen reichen der Akademie theoretisch jeweils siebzig Prozent aus. Das ist aber natürlich nicht genug, um am Ende als guter Lotse eigenverantwortlich Hunderte Menschenleben sicher durch Deutschlands Luftraum leiten zu können. Daher verbringen wir relativ viel Zeit damit, uns über unkare Sachverhalte gemeinsam auszutauschen und Unklarheiten im Kurs oder mit älteren Kursen zu beseitigen.

Nach der ersten der drei Basic-Prüfungen nach fünf Wochen durften wir dann auch endlich an den Simulator. Los ging es mit lediglich einem Flieger, der erstmal identifiziert werden und kurz vor dem Ausflug aus dem eigenen Sektor auf die neue Frequenz geschickt werden musste. Wir hatten natürlich alle Hände voll zutun. Denn auch die kleinen Herausforderungen scheinen am Anfang immer riesige Hürden zu sein. Nach nun mehr neun bis zehn Wochen am Simulator haben wir es bereits mit vier bis sechs Fliegern und Vertikalbewegungen zur gleichen Zeit zu tun. So stelle ich immer wieder fest, dass man hier einfach von Tag zu Tag mit seinen Herausforderungen weiter wächst und sich immer sicherer im Umgang mit seinen Gedanken und dem Headset fühlt. Bei jedem „Run“ am Simulator wird man von einem Lehrer betreut, welcher Hinweise gibt, die Arbeit und Fähigkeiten des Azubis einschätzt und konstruktiv kritisiert. Nach allen drei theoretischen Prüfungen mussten wir auch unsere praktischen Fähigkeiten am SIM unter Beweis stellen. In einer ca. 45-minütigen Prüfung tauchten typische Probleme der letzten Wochen auf, welche gelöst werden mussten. Dabei durfte man auch mal ins Schwitzen kommen, solange alle Freigaben am Mikro gut durchdacht und sicher waren.

Im Anschluss an die Basic-Phase schloss sich noch ein weiterer, zweiwöchiger Englischkurs an. Dabei wurden die Englischkenntnisse und -fähigkeiten gelehrt und geprüft, die gemäß Internationaler Zivilluftfahrtorganisation ICAO für den Beruf des Fluglotsen Voraussetzung sind. Jetzt befinde ich mich im zweiwöchigen Urlaub, bevor wir Anfang März mit dem zweiten, großen Teil an der Akademie beginnen, dem „Rating A“ (die zweiten fünf der fünfzehn Akademie-Monate).

Ein kleiner persönlicher Tip noch am Rande: Allen wartenden Lotsenazubibewerbern kann ich das Buch „Luftfahrt-Wissen – Von den Grundlagen bis zur Pilotenlizenz“ von Herbert Groß aus dem Motorbuchverlag empfehlen! Dabei ging es mir persönlich im Vordergrund nicht darum, gesetzliche Vorschriften auswendig zu lernen oder ein Jettriebwerk selbst bauen zu können. Vielmehr verhalf mir dieses Buch, ein Verständnis für die Vorgänge und physikalischen Grundlagen der Luftfahrt zu entwickeln. Dabei könnt ihr ruhig schon den ein oder anderen englischen Fachbegriff im Hinterkopf behalten. Viel Spaß dabei!

Über den Autor:
Mein Name ist Robert Seifert. Als ehemaliger Leistungssportler bin ich schon immer viel in der Welt herumgekommen und fand mich regelmäßig auf diversen Flughäfen ferner Länder und Europas wieder. Seit einem Schulpraktikum auf dem Dresdner DFS-Tower hatte ich immer das Ziel, nach dem Ende meiner sportlichen Laufbahn Fluglotse zu werden. Nach meinem Abitur 2007 absolvierte ich erst eine Ausbildung zum Notarfachangestellten und leistete dann meinen Dienst in der Bundeswehr als Sportsoldat ab. Im Laufe des Jahres 2013 musste ich die verschiedenen Etappen des DFS-Auswahlverfahrens durchlaufen. Im September 2014 habe ich meine Ausbildung zum Centerlotsen im unteren Luftraum dann schließlich beginnen dürfen.