Servus alle zusammen!

Flugischerung SimulatorHier in den Blogeinträgen geistern ja doch hin und wieder Abkürzungen und Begriffe rum, die zwar für Insider vollkommen klar sind, für Außenstehende allerdings überhaupt keinen Sinn machen.

Tristan hatte euch ja vor längerer Zeit ziemlich ausführlich in das Rating A und unsere Simulationssektoren reinschnuppern lassen, jetzt möchte ich euch einfach mal zeigen, was denn dieses Rating B so ist.

Das Rating B ist eine (fast) reine Praxisphase – wir sitzen also im Simulator und machen eine Übung nach der anderen. Ja, das war an manchen Tagen im Rating A auch schon so, aber es gibt doch einige wirklich große Unterschiede.

Schichtdienst

Um die Simulatoren richtig gut auszulasten und auch um uns an den späteren Schichtdienst zu gewöhnen, arbeiten wir in zwei Schichten. Die Frühschicht beginnt um 7 Uhr und geht bis 14:30 Uhr (inklusive eingebauter Pausen), die Spätschicht geht dann um 15 Uhr los. Fertig sind wir meistens so um kurz nach 22 Uhr. Das ist schon eine große Umstellung gewesen, die meisten sind erstmals mit Schichtarbeit konfrontiert worden. Mir fiel der Umstieg recht leicht, auch die Frühschicht packe ich mittlerweile doch ganz gut – schließlich ist 7 Uhr ja noch vergleichsweise spät, zu meiner Zeit am Münchner Flughafen ging‘s um 4:30 los… Aber trotzdem ist die Spätschicht für meinen persönlichen Biorhythmus einfach das bessere!

Mehr Runs pro Schicht

Im Rating A war es ja noch so, dass wir eine Übung vier mal wiederholen mussten, da auch vier Positionen abgedeckt werden mussten. So war immer einer derjenige, der die Eingaben in den Simulator gemacht hat, einer war der „Dummy“, der nach einer vorgegebenen Regieanweisung Anfragen der umliegenden Sektoren durchtelefoniert hat, und dann eben der Executive Controller sowie der Planner/Coordinator. Im Rating B sind die ersten beiden Dinge weggefallen – den Simulator bedienen nun professionelle Simpiloten, die umliegenden Sektoren werden je nachdem von einem Coach oder von speziell geschultem Personal hierfür simuliert. Wir können uns also nun vollkommen auf unsere Arbeit konzentrieren und fahren somit viel mehr Übungen als noch vorher, um genau zu sein machen wir 5 Übungen, wobei jede so ungefähr 60-70 Minuten dauert.

Kombinierte Sektoren

Ihr habt ja sicherlich noch Tristans Beschreibung von unseren drei Sektoren im Kopf, oder? Nein? Ok, der Kurzüberblick: DYA, also Langen Arrival, macht genau das, was im Namen steckt: An- und Abflüge zum an „das reale Frankfurt angelehnte“ „Langen International Aerodrome“. Im Südosten schließt sich der WURL Sektor an, Würzburg Low. Hier gilt es, Abflüge von Langen, Stuttgart und Nürnberg auf Reiseflughöhe zu bringen sowie Anflüge auf eben diese Plätze vorzusortieren und sinken zu lassen. Dazu haben wir eine Menge Überflüge – ein komplexer Sektor. Den Abschluss macht DONL, Donau Low. Hier haben wir Anflüge auf München zu sortieren (Fachbegriff: Sequencing), Abflüge von München auf Reiseflughöhe zu bringen, ne ganze Menge Überflüge zu bearbeiten und zu guter Letzt befindet sich mitten im Sektor der kleine feine Militärflugplatz Neuburg an der Donau. In DONL üben wir also kräftig militärische Verfahren, wie Formationen zu „splitten“, also voneinander zu trennen, oder wie das so mit militärischen An- und Abflugverfahren geht.
„Das war doch im Rating A auch schon so!“ werden jetzt diejenigen von euch denken, die sich noch an den alten Beitrag erinnern konnten – ja, aber nun arbeiten wir diese drei Sektoren „im Verbund“. Also die zwei Leute, die auf DYA sitzen, geben den Abflug an die zwei, die auf WURL sitzen, und die wiederum geben den Flieger weiter an DONL. Das ist ganz schön herausfordernd – das erste mal „Nein!“ zu einem meiner Kurskameraden zu sagen, war schon eine Überwindung, schließlich haben wir ja mit einem „Nein“  früher niemals seine Übung beeinflusst, sondern er war ja nur der „Dummy“. Mittlerweile haben wir uns aber dran gewöhnt, dass man einfach im Flugsicherungsleben wie auch sonst nicht alles bekommt was man gerade gerne hätte.

Praktische Hürden

Nachdem wir im Basic Course eine praktische Prüfung zu absolvieren hatten, gab es im Rating A keinerlei Überprüfung der praktischen Kenntnisse und Fertigkeiten, sondern nur die drei Theorietests. Dies ist nun anders – im Rating B gibt es zwei Hürden, die sogenannten Phase-Reports. Phase 1 haben wir gerade hinter uns, und leider sind wir seitdem einer weniger im Kurs, was uns allen schon ziemlich zugesetzt hat in den letzten Wochen.
Zum Abschluss des Rating B’s und damit der Akademiezeit kommt dann die PAP – Praktische Abschlussprüfung. Jeder wird drei Prüfungsteile zu absolvieren haben: Jeder macht DYA Executive, und dann wird von der Prüfungskommission entschieden, auf welchen beiden der vier Positionen in WURL und DONL man geprüft wird.

Persönliche Herausforderungen

Das mag nicht auf jeden zutreffen, auf mich hat es aber zugetroffen und hat mich auch zwischenzeitlich sehr verunsichert. Was? Ich fange vorne an.
In Basic und Rating A hatte ich eigentlich nie größere Probleme, es lief alles sozusagen wie am Schnürchen. So ging dann auch das Rating B los – bis so ungefähr nach vier Wochen der erste Einbruch kam. Die Runs werden nunmal bei uns jetzt alle paar Wochen komplexer und das Verkehrsvolumen zieht dann spürbar an, was heißt, dass man seine Arbeitsgeschwindigkeit deutlich erhöhen muss. Diese Stufen gibt es immer wieder, die gab es vorher auch schon, nur diese eine war die erste, über die ich nicht leicht rübergekommen bin, sondern wo ich ziemlich kämpfen musste. Das war eine Zeit von Selbstzweifeln und einfach unangenehm. Aber als es dann wieder aufwärts ging, konnte ich mich davon überzeugen, dass ein schlechter Run oder gar eine schlechte Woche nicht das schlimmste ist, sondern dass eben keiner perfekt ist. Wichtig ist allerdings, dass man sich nicht runterziehen lässt, sondern kämpft, um sich aus dem Loch wieder herauszuziehen. Wir üben, da dürfen Fehler passieren und sollen auch – würden wir keine mehr machen, könnten wir auch gleich die Prüfung machen. So ist das aber nicht, die Prüfung ist bei uns jetzt noch gute zwei Monate hin. Eine Zeit, in der wir alle uns wieder weiterentwickeln werden, was aber zum Bestehen der PAP auch notwendig sein wird!

Eigentlich wollte ich meinen Eintrag ja kurz halten… Hat nicht geklappt, hoffe er war trotzdem interessant. Mehr aus dem Leben im Rating B in Kürze!