Flughafen FrankfurtIch habe euch ja schon in meiner Kurzvorstellung angedeutet, dass die DFS nicht meine erste Station im Leben ist. Schließlich gehöre ich hier unter den Azubis zu den Ältesten, und ich habe seit dem Abitur im Sommermärchen 2006 nicht nur zu Hause gesessen. Mein kurzer Lebenslauf ist einer mit vielen Kanten und Ecken darin. Oft genug habe ich in den Medien gelesen und gesehen, dass Leute wie ich eigentlich nirgendwo eine Chance haben dürften, einen tollen Job zu bekommen. Glatt muss der Lebenslauf sein, möglichst soll man nach dem Abitur direkt studieren, dabei schneller fertig sein als alle anderen, mit besseren Noten, mehr Auslandsaufenthalten und noch mehr Praktika zwischendurch. Eine Eierlegendewollmichsau.

Meine Lebensplanung sah, so ungefähr ab meinem dritten Lebensjahr, eigentlich auch einfach und geradlinig aus: „Du machst Abi, wirst Pilot und fliegst den Rest deines Lebens!“ Klare Sache, oder? Aber dann kam 9/11, ein zeitweiliger Einbruch in den Flugverkehrszahlen, und damit verbunden lange Wartezeiten in der Pilotenausbildung bei Lufthansa. Also habe ich diesen Plan tatsächlich verworfen, und als ich mein Abi in der Tasche hatte, war ich der wahrscheinlich planloseste Mensch, den es gibt. Journalist? Ja, das klingt gut, los, Praktikum machen! Gesagt, getan, Spaß hat‘s ja gemacht, aber Jobaussichten waren aus meiner Perspektive gleich null. Hm, ja, was denn dann? Erst mal Pause machen, dachte ich mir, und habe den Rest des ersten Jahres nach dem Abi zu Hause verbringen wollen. Leider kam auf der Couch nicht wirklich der große Einfall, was ich mit meinem Leben anfangen will.

Also haben mir meine Eltern tatsächlich das Taschengeld weggenommen – damals richtig nervig, aus heutiger Sicht durchaus eine Motivationshilfe, sich mal Gedanken zu machen und „in die Pötte“ zu kommen. Es musste ja schnell Geld her! An einen Job zu kommen war einfach, das Gasthaus zum Goldenen M sucht ja immer kompetente Mitarbeiter. Der Traumjob war da aber für mich nicht zu finden. Ich hatte mich längst wieder auf Pilot eingeschossen, so ein Kindheitstraum verfliegt halt nicht einfach. Aber ganz ohne Absicherung wollte ich mir das nicht antun, schließlich kann ja jederzeit das Medical wegfallen, die Luftfahrtbranche zusammen brechen oder sonst ein Horrorszenario eintreten, das dazu führt, dass ich nicht mehr fliegen und damit Geld verdienen kann.

Also wollte ich vorher „noch was schnelles, sinnvolles“ studieren – und habe doch tatsächlich mit BWL an der Uni Bayreuth begonnen. Keine gute Idee, das habe ich schnell gemerkt. Die Motivation war einfach nicht da – schließlich wollte ich ja eigentlich Pilot machen, und nicht wirklich mit dem im Studium erlernten Wissen arbeiten müssen. Mit dieser Einstellung klappt aber ein Studium nicht. Also habe ich ihn nach 2 Semestern verworfen, mich bei der Lufthansa beworben und überlegt, was ich denn machen könnte, falls das mit dem Fliegen nicht klappt.

Lehrer sollte es dann nach langem Überlegen werden. Am Gymnasium, für die Fächer Wirtschaft und Geographie. Und nebenbei schön weiter im Auswahlverfahren zum Piloten – warten. Über ein Jahr hat es gedauert, bis es im Interview, also der letzten Stufe vor dem Medizinischen Check, in Hamburg dann sinngemäß hieß: „Leider nicht, suchen Sie sich was anderes, das wird nichts mit Ihnen und uns.“ Da war er dahingegangen, der Kindheitstraum.

Abgefunden habe ich mich damit schnell. Das war vor allem möglich, weil ich mich mit meinem zukünftigen Job, Lehrer, auch wirklich gut angefreundet hatte. Ich habe Praktika an Schulen gemacht, im Studium aufgepasst und bin vorangekommen und war echt zufrieden. Ich war im 6. Semester, also schon gut durch zwei Drittel des gesamten Studiengangs, als mich so langsam die Luftfahrt wieder packte. Ich weiß auch nicht, woran das liegt bei mir, aber wenn ich ein Flugzeug sehe, fängt mein Herz an zu lachen, meine Augen strahlen und ich freu mich einfach nur. Und ich sollte niemals in der einzigen, für mich besten und traumhaften Branche arbeiten? Das kann doch nicht sein! Fluglotse, ja, davon habe ich natürlich als Aviatikfan schon mal gehört, aber ob das wirklich meins ist? Keine Ahnung. Also habe ich einen Bekannten gefragt, der hier Lotse ist, ob er mich mal mitnehmen würde. Geschehen war es um mich dann als ich das erste Mal in den Kontrollraum in München reingegangen bin. Aber dazu an anderer Stelle mehr.

Ich habe mich also beworben – und schon wieder ging die Warterei los, wie das mit diesen Auswahlverfahren für Traumjobs so ist. Nach einem halben Jahr stand dann fest: „Herr Klink, wir würden Ihnen gerne einen Ausbildungsvertrag anbieten!“ Echt? Wirklich? Mir? Krass.

Und das sogar mit diesem krummen Lebenslauf und mit zwei abgebrochenen Studien. Und mit einem ganzen Jahr ungenutzter Pause. Ich möchte hier niemanden dazu auffordern, sein Leben schleifen zu lassen und möglichst krumme Lebensläufe zu produzieren, ganz und gar nicht. Ich möchte euch nur zeigen, dass bei der DFS, und ganz speziell hier bei den Fluglotsen, mehr Wert gelegt wird auf die Persönlichkeit und auf die Fähigkeiten – was vor der DFS geschehen ist, interessiert im Auswahlverfahren zum Fluglotsen nur bedingt.