Lotsen arbeiten im SchichtdienstArbeitszeiten sind immer so eine Sache. Berufsverkehr, Einkaufen, wenn alle anderen dieselbe Ideen haben, Ringen um Termine beim Frisör, Weiterarbeiten von Zuhause aus – all das kennen Fluglotsen nicht.
Viele Leute denken Schlechtes vom Schichtdienst. Ich möchte hier ein bisschen erläutern, wie das Schichtdienstmodell für Mitarbeiter des operativen Dienstes bei der DFS aussieht. Dabei ist zu beachten, dass dies natürlich von EBG (=Einsatzberechtigungsgruppe, quasi die ‚Abteilungen‘ bei der DFS/die Sektoren) zu EBG unterschiedlich ist und ich hier hauptsächlich von meiner eigenen sprechen kann: An- und Abflug für den Flughafen Rhein-Main. Ich weise darauf hin, dass folgendes „in der Regel“ so stattfindet, es aber auch viele Ausnahmen gibt, man sehe es mir nach, wenn ich das nicht alles im Detail genau beschreiben kann und werde.
Flugzeuge fliegen auch sonntags und an Feiertagen, nachts, tags, morgens und abends. Daher sind Fluglotsen rund um die Uhr im Dienst. Dies lässt sich natürlich nur durch ein Schichtdienstmodell lösen.
Eine Besonderheit, die sich schnell abzeichnet, ist, dass wir nicht die normale Arbeitswoche Montag-Freitag haben. Bei uns spricht man von sogenannten „Turns“. Ein Turn entspricht einer „Arbeitswoche“, also die Zeit zwischen den freien Tagen. Mein Schichtmodell sieht momentan vor, dass ich in der Regel 4-5 Tage arbeite und dann 3-4 Tage frei habe. Zum Beispiel startet mein Turn an einem Montag und endet am Freitag. Von Samstag bis Montag (oder Dienstag) habe ich dann frei – mein neuer Turn beginnt dann am Dienstag oder Mittwoch. Diese Rotation teilt man sich mit einem Team. Jede EBG besteht aus mehreren Teams (bei uns sind es acht).
Ein Beispiel:
Team1 beginnt am Montag mit Frühdienst, hat am Dienstag nochmal früh und Mittwoch bis Freitag Spätdienst. Der Turn von Team2 beginnt am Dienstag mit einer Frühschicht, am Mittwoch hat Team 2 noch einmal früh (während Team 1 heute schon Spätdienst hat). Am Mittwoch beginnt dann der Turn von Team3, wieder mit Frühschicht usw.
So rotieren alle Teams nacheinander durch. In der Regel beginnt man seinen Turn mit Frühdiensten, die dann in den letzten Tagen zum Spätdienst übergehen. Der Turn endet für zwei Lotsen mit dem Nachtdienst (Mehr zum Nachtdienst später).
Eine Schicht geht immer 8 Stunden und 15 Minuten. Der Arbeitstag beginnt bei uns:
Früh: 04:30, 05:45, 06:15, 06:45
Tag: 09:45, 10:15, 10:45
Spät: 13:45, 14:15,14:45
Nacht: ca. 22-23 Uhr
Natürlich gibt es da auch immer wieder mal Ausnahmen.
Wenn ich also Dienst um 05:45 habe, muss ich um 06:00 einen Kollegen ablösen. Um 14:00 werde ich dann wiederum vom Kollegen abgelöst, der seinen Dienst um 13:45 begonnen hat.
Dabei dürfen wir maximal zwei Stunden am Board sitzen, damit die Konzentration nicht nachlässt. Insgesamt stehen uns dafür täglich zwei Stunden Pause zu, die dann zwischen den Arbeitsblöcken verteilt sind.
Da es am Flughafen Frankfurt in der Regel nachts keinen Flugbetrieb gibt, ist unsere EBG dann immer nur mit zwei Leuten besetzt, von denen auch einer alleine am Board sitzen kann (der andere nutzt die Zeit zum Schlafen ö.ä. in einem der Ruheräume und löst nach ein paar Stunden dann ab; ist aber im Falle des Falles immer erreichbar). Wir haben bei uns Lotsen, die bevorzugt die Nachtschicht machen, andere mögen das gar nicht. Damit komme ich zum nächsten Punkt: Schichttausch.
Wenn jemand für eine Schicht vorgesehen ist, die ihm gar nicht passt, hat er die Möglichkeit, mit einem Kollegen die Schicht zu tauschen. Damit das nicht zu oft passiert, kann man einige Wochen bevor der Schichtplan erstellt wird an die Personaleinsatzplanung seine Wünsche äußern; diese bekommt das meistens dann gut hin, dass die meisten der Anfragen erfüllt werden.
Was denke ich über dieses Schichtmodell? Anfangs ist das ganze etwas gewöhnungsbedürftig. Vor allem wenn man einen Dienst um 04:30 morgens hat (was zum Glück jeden Tag nur zwei Lotsen trifft) fällt das frühe Aufstehen manchmal schwer. Dafür hat man dann aber auch früh Feierabend. Auch dass die Zeiten innerhalb der Woche wechseln, ist anfangs ungewohnt. Ich sehe das aber so: Ich kann Dienstagvormittag einkaufen gehen, zum Frisör, aufs Amt oder was sonst so ansteht erledigen, während andere arbeiten. Und wenn ich unter der Woche drei oder vier Tage frei hab, kann ich ins Freibad gehen, in einen Freizeitpark oder ähnliches – die Menschenmassen vom Wochenende bleiben aus.
Der einzige Nachteil für mich am Schichtdienst ist, dass man selbst manchmal arbeiten muss, wenn andere Zeit haben – manchmal fällt es etwas schwer, sich mit Freunden zu verabreden.
Ein großer Vorteil hingegen ist, dass mit dem Zeitpunkt der Ablösung der Fluglotse von seiner Arbeit befreit ist – das heißt, es bleibt keine Arbeit liegen, die man von zu Hause aus oder am nächsten Tag nacharbeiten muss. Und man darf natürlich nicht vergessen, dass es sonntags, Feiertags, samstags und nachts (das betrifft auch noch den Spätdienst) Zuschläge gibt, die für die Arbeit im Schichtdienst entschädigen ;-).
Alles in Allem finde ich unser Schichtmodell aber gut durchdacht. Die ständige Rotation ermöglicht einen abwechslungsreichen Alltag und ist meiner Meinung nach auch stressfreier als starre Arbeitszeiten.