Wieder einmal sind gut eineinhalb Monate vergangen, seitdem ich das letzte Update aus der Lotsenausbildung geschrieben habe. Mein Ziel, mindestens jeden Monat ein Update zu schreiben, habe ich somit offensichtlich verfehlt, dafür wird dieser Beitrag aber umso interessanter und umfangreicher!

Das zuletzt beschriebene Towermodul ist inzwischen weit außerhalb unserer Sichtweite; nicht, weil es langweilig gewesen wäre, sondern weil das inzwischen schon über einen Monat her ist und das ist hier schon ein enormer Zeitraum, in dem wir immer, aber auch gerade jetzt so viel Neues lernen, dass das eigentlich “kürzlich” Gemachte erscheint, als wäre es schon Ewigkeiten her. Wir sind jetzt also im APS Rating A angekommen, das zusammen mit dem Rating B die spezifische Schulung für den unteren Luftraum bzw. die Anflugkontrolle hier an der Akademie komplettiert. Das dauert jetzt noch ziemlich genau 2 Monate, dann ist Urlaub und dann geht’s schon ins Rating B, allein das zu schreiben ist eigentlich schon wieder unfassbar; man fühlt sich einerseits, als wäre man gerade erst hier angekommen, andererseits als würde man schon ewig dazu gehören und in guten 8 Monaten soll die PAP (praktische Abschlussprüfung) anstehen, falls bis dorthin Alles so gut weiterläuft.

Der Schwerpunkt der Ausbildung hat sich inzwischen deutlich von der Theorie auf die Praxis verlagert. Das ist natürlich primär superklasse, weil der Simulator so gesehen das ist, was wir später machen werden und was wir hoffentlich auch alle machen wollen, zum anderen können 8 Stunden Simulator am Tag aber auch wirklich erschlagend sein. Ich bin mir bewusst, dass das alles später noch mehr werden wird, aber man muss sich an die steigende Belastung einfach gewöhnen, was mir nach eigenem Gefühl relativ leicht fällt. Was andererseits aber auffällt, ist, dass man in verschiedenen Aspekten vielleicht doch mal eine halbe Stunde mehr braucht: Sei es, abends früher ins Bett zu gehen oder auch wie heute nach einem Tag voller Simulation für eben diese Zeit erstmal Musik an und sonst nichts zu machen. Das alles soll allerdings nicht den Eindruck erwecken, dass wir hier komplett erschlagen werden oder unter Stresszuständen leiden, überhaupt nicht! Man merkt aber eben in gewisser Weise, dass alles stufenweise etwas mehr und komplexer wird, so wie es eben sein soll! Was noch als erleichternder Faktor dazu kommt, ist, dass wir seit Beginn des Rating A zusätzlich zum Simulator gleichzeitig auch Flusi haben, das steht für Flugsimulator und soll uns Einblicke in die andere Seite des Geschehens ermöglichen. Was da genau passiert und warum das unser Leben etwas einfacher macht, dazu in einigen Tagen noch mehr…

Zunächst, was machen wir eigentlich inzwischen so im Simulator? Die Ausbildung gliedert sich wie bekannt in die drei Abschnitte, Basic Course, Rating A und Rating B auf. Im Basic Course wird die Grundlage für alles Spätere gelegt, der Verkehr ist leicht (nie über 5 Flieger) und es geht um die absoluten Basis-Handwerke eines Fluglotsen, z.B. wie kann ich einen Flieger auf dem Radarschirm einwandfrei identifizieren, wie verhält sich ein Flieger, wenn ich ihn drehe oder steigen/sinken lasse, was ist Staffelung bzw. welche grundlegenden Methoden der Staffelung gibt es, wie gebe ich Verkehrsinformationen, wie werden einfache Dinge per Telefon koordiniert usw.

Auf diesen Stoff wird im Rating A aufgebaut. Das Erste ist dabei, dass während des Rating A drei neue Sektoren eingeführt werden, die die Titel DYA, WURL und DONL tragen. DYA steht für Langen Arrival (kommt vom ICAO-Code: EDDY-Arrival) und wird auch auf anderen Flughäfen so bezeichnet, z.B. DSA für Stuttgart- bzw. DNA für Nürnberg Arrival. WURL steht für einen Sektor im unteren Luftraum (Würzburg low) dessen Dimensionen ich im vorigen Beitrag grob erklärt habe, DONL für Donau low, ebenfalls ein Sektor im unteren Luftraum, allerdings weiter im Südosten (deckt einen großen Teil Bayerns ab). Diese Lufträume sind alle deutlich komplexer als der eine Sektor aus dem Basic Course und sind auch dieselben drei Sektoren, auf denen wir hoffentlich im Dezember unsere praktische Abschlussprüfung absolvieren dürfen. Nachteil: Wieder Lernerei für neue Sektoren, Vorteil: Bis Ende der Akademiezeit gibt’s in diesem Kontext sicher nichts mehr zu lernen für uns.

Was machen wir also jetzt? Zunächst gab bzw. gibt es (DONL steht uns noch bevor) einige wenige Eingewöhnungsruns, um sich an die Verkehrsströme im jeweiligen Luftraum zu gewöhnen und dann wird das Wissen vertieft. Wir haben bisher hauptsächlich auf WURL gearbeitet und sind dort nach den puren Eingewöhnungsruns heute bei den ersten beiden Arrivalruns angekommen, in denen wir gleichzeitig zum steigenden und sinkenden Verkehr durch unseren Sektor noch Anflüge auf einen im Sektor liegenden Regionalflughafen lotsen müssen. Der WURL-Sektor ist deswegen schwierig zu arbeiten, weil es hier recht viel vertikale Bewegungen gibt, d.h. Flieger, die hoch und runter wollen. WURL grenzt im Nordwesten direkt an den Langener Anflugsektor an, der von uns in der Simulation genutzte Langen Airport ist dem realen Frankfurt nachempfunden und hat dementsprechenden Verkehr, der durch unseren Sektor auf dem Weg in den Reiseflug bzw. im Sinkflug Richtung Langen ist, was die Arbeit zwar erschwert; die Möglichkeit, neue Handwerksmethoden kennenzulernen andererseits aber natürlich erleichert. So geht es hier hauptsächlich darum, die Flieger möglichst effizient auf ihre geplante Reiseflughöhe zu bringen bzw. den Sinkflug so zu planen, dass er bis zu Übergabe an den Anflugsektor in der richtigen Höhe angekommen ist und dabei den richtigen Abstand zu vor- und nachfliegenden Flugzeugen einhält. Dabei müssen wir die Flieger noch von Anflügen auf den bereits erwähnten Regionalflughafen und von anderem Verkehr von/nach Nürnberg, Stuttgart oder München bzw. puren Durchflügen freihalten.

Im DYA-Sektor geht es fast nur um die direkte Staffelung von Flügen, die vom und zum fiktiven Langen Airport bzw. zum ebenfalls im Sektor liegenden Hanau Airport führen. Die Schwierigkeit in der Anflugkontrolle ist, dass wir hier quasi genau das Gegenteil vom Arbeitsprinzip in den anderen Sektoren erreichen wollen: Wir führen Flieger absichtlich so nah wie möglich aneinander, um einen bestmöglichen Verkehrsfluss zu erreichen. Die Effizienz steht zwar in unseren absolut grundlegenden Arbeitsprinzipien nur an der dritter Stelle hinter Sicherheit und Ordnung, ist aber eben eines der drei Elemente, die jeder Lotse zu jeder Zeit beachten muss. Wir kriegen die Flieger also von den umliegenden Sektoren in der Regel bereits vorgestaffelt übergeben, sodass wir “nur noch” die bekannte Perlenkette im Endanflug bauen müssen, um so wenig wie möglich Zeit zwischen den Fliegern zu verschenken, gleichzeitig aber zu jeder Zeit die Mindestabstände einzuhalten. Ein Coach sagte mal, entweder man hasst als Lotse Arrival oder man liebt es, dazwischen gibt es nichts. Ich bin mal gespannt, wie sich das noch weiter entwickelt, die bisherigen drei runs, in denen wir das eben Beschriebene machen mussten, haben mir und auch den meisten Kollegen, mit denen ich mich bisher darüber unterhalten habe, sehr viel Spaß gemacht.

Wie weiter oben erwähnt sind wir inzwischen auch im Flugsimulator angekommen, wo wir als Piloten deren Arbeitsweisen und -verfahren kennenlernen, dazu aber wie gesagt in einigen Tagen etwas mehr… Bis dahin, vielen Dank fürs Lesen, ich bitte wie immer um Kommentare und Anregungen!