Nun bin ich bereits seit etwa eineinhalb Monaten als Fluglotse im On-The-Job-Training in der Niederlassung Langen. Die meisten meiner Freunde und Bekannten haben nun auch kapiert, dass ich nicht einer der Menschen bin, die lustig auf dem Vorfeld mit ihren Leuchtstäben winken.

Und trotzdem:. Wie so ein Tower aussieht, da kann man sich mit ein bisschen Fantasie was zusammenbasteln. Aber wie genau sieht jetzt eigentlich der Arbeitsplatz im Center aus?

Im Folgenden möchte ich euch meinen Arbeitsplatz etwas näher vorstellen. Zunächst eine kleine Übersicht:

Working Position Fluglotse

Man sieht gleich: Viel technisches Gerät erwartet einen hier. Beginnen wir mit den wichtigsten:

RADAR

Der Radarschirm ist heute aus der Flugsicherung nicht mehr wegzudenken. Anders als in alten Kriegsfilmen sind die Bildschirme heute nicht mehr rund; es bewegt sich auch keine Linie im Kreis und aktualisiert das Bild.

Radarschirm Fluglotse

Hier im Bild sieht man den Anflugsektor für den Flughafen Frankfurt am Main. In der Mitte befindet sich der Airport, dargestellt durch die Landebahnen. Das Bild aktualisiert sich alle 5 Sekunden, die Radarziele „hüpfen“ quasi also alle 5 Sekunden ein Stück weiter. Seit der Installation von „PAM-FRA“ werden die sog. Targets um den Frankfurt Flughafen sekündlich aktualisiert.

Anders als ein Towerlotse, sehen wir die Flugzeuge nicht mit dem Auge, für uns sind die Flieger kleine Vierecke in einem Wirrwarr aus Linien (die für uns aber alle Sinn ergeben, versprochen! Target RadarschirmEs würde aber den Umfang des Artikels sprengen würde ich jedes Detail erklären). Hier sieht der Lotse alle für ihn relevanten Infos auf einen Blick: Die History zeigt die letzten Positionen des Targets an. So erkennt man leicht, ob ein Flugzeug gerade aus fliegt oder dreht und wie eng die Kurve ist.

Das CallSign ist das Rufzeichen des Flugzeugs. So wird der Pilot auf der Frequenz angesprochen. Die Flughöhe (hier Flugfläche 70) des Flugzeugs ist für die vertikale Staffelung von Flugzeugen wichtig.  Die meisten Passagierjets übermitteln uns über ein Signal auch, welche Höhe der Pilot im Flugzeug eingedreht hat, also zu welcher Höhe das Flugzeug tatsächlich sinkt oder steigt oder ob es sich im Level-Flug befindet. So fällt dem Lotsen gleich auf, wenn der Pilot sich vertan hat.

Die Groundspeed ist die Geschwindigkeit des Flugzeugs über Grund in Knoten. Die Indicated Airspeed ist die Geschwindigkeit, mit der sich das Flugzeug durch die es umgebende Luft bewegt. Nach dieser Geschwindigkeit fliegt der Pilot.

Das System ermöglicht es dem Lotsen, beliebig viele Informationen zum Target hinzuzufügen. So kann man sich Steig- oder Sinkraten, Flugzeugtyp, Wirbelschleppenkategorie etc. einblenden oder eben auch nicht.

TELEFON

Das Telefon. Ebenfalls unabdingbar, soll die Arbeit der Lotsen schnell und effizient ablaufen. Allerdings kann man mit diesem Telefon nicht mal eben Mutti anrufen und ihr zum Geburtstag gratulieren. Das Telefon nutzt der Lotse, um mit allen angrenzenden Lufträumen, Towern von Flugplätzen innerhalb des Sektors, Flugdatenbearbeiter usw. in Kontakt treten zu können. Kurz gesagt: Über das Telefon werden Koordinationsgespräche abgewickelt. Kommt ein Flieger anders als geplant oder will der Lotse ihn aus verkehrstechnischen Gründen anders „einkaufen“, so bleibt ihm der Lauf quer durchs Center dank dem Telefon erspart.

Arbeitsplatz Lotse

Möchte ich zum Beispiel den Planner vom Pfalz-Sektor (Jeder Luftraum hat einen Namen – meistens benannt nach seiner geografischen Lage: Eifel-, Pfalz-, Spessart-, Taunussektor,…) muss ich nur die Taste PFAQ (das Q steht immer für „Co“ bzw. Planner) drücken und beim anderen klingelts. Im hier gezeigten Beispiel sind auch Tasten für die Frankfurter Towerlotsen dabei (DF… SV-Supervisor, PLN – Platzlotse Nordbahn usw.)

BOARD

Im Center Langen werden, anders als zum Beispiel in Bremen, Papierstreifen genutzt. Hierauf findet der Lotse alle wichtigen Daten über Flieger, die in seinen Luftraum kommen bzw. sich darin befinden. Und die werden hier abgelegt.

Arbeitsplatz Lotse

TOUCH-INPUT-DEVICE (TID)

Das TID ist ein Universalwerkzeug, das den Lotsen in vielerlei Hinsicht unterstützt. Man kann hier Einstellungen fürs Radar vornehmen, bestimmte Daten über Flugzeuge abrufen, Flugzeuge auf dem Radarschirm markieren und vieles mehr. Damit einem viel Geklicke erspart bleibt, ist dieses Wunderwerk der Technik auf einen TouchScreen gepackt worden (daher auch der Name).

Bei uns im An- und Abflugsektor werden hier standartmäßig die Departures vom Flughafen Frankfurt mit den wichtigsten Infos dargestellt.

Arbeitsplatz Lotse

Leider hat das Licht etwas gespiegelt. Sorry dafür.

AMAN

Der Arrival-Manager oder kurz AMAN lässt sich bei uns auf einem der beiden seitlichen Monitore aufrufen. Er ist ein Tool zur Steuerung anfliegender Flugzeuge. Der Anfluglotse sieht so auf einen Blick, wie viele Flieger in den nächsten 45 Minuten in seinen Sektor einfliegen. Ist der Radarlotse im Sektor ausgelastet, so lässt sich der Flow des AMAN verstellen; und so die Zahl der Flieger, die in den Luftraum dürfen, angepasst. Die angrenzenden Lufträume (die einen eigenen AMAN-Monitor haben) sehen so, wann welcher Flieger in den Anflugsektor einfliegen darf und können so frühzeitig die Geschwindigkeit der Flieger reduzieren bzw. wissen, wie lange der Flieger eventuell ins Holding muss, bevor er in Frankfurt anfliegen darf.

Arbeitsplatz Lotse

Wenn ich mich nicht verzählt habe, sind auf dem Bildschirm 36 Flieger angezeigt (die Farben zeigen dem Lotsen auf einen Blick aus welcher Richtung der Flieger kommt). Das bedeutet, dass in der Stunde knapp 50 Flieger landen. Also fast jede Minute einer! Man kann also sagen, zum Zeitpunkt der Aufnahme war am Flughafen Frankfurt ganz schön was los 😉

WETTER-RADAR

Das Wetter-Radar ist im Regelfall nur bei schlechtem Wetter in Anflugbereichen wichtig. Da kein Pilot gerne durch eine Gewitterwolke fliegt, ist es für den Lotsen nicht nur nice-to-know, was sich da draußen am Himmel abspielt. Auf dem Foto ist zu sehen, dass zum Zeitpunkt der Aufnahme über und westlich des Flughafens einiges an Unwetter war, außerdem  auch im Nordosten und Südosten des Luftraums. Schön zu sehen im nächsten Bild: Die Flugzeuge umfliegen das Wetter, um Turbulenzen, Vereisung oder Blitzeinschlag zu vermeiden. Gerade in solchen Fällen wie Schlechtwettersituationen ist konzentriertes Arbeiten gefragt, da alle Flugzeuge kreuz und quer den Wolken ausweichen müssen.

Arbeitsplatz LotseArbeitsplatz Lotse

Wird das Wetterradar nicht gebraucht, lassen sich andere Funktionen anzeigen. Zum Beispiel ein Live-Bild vom Bodenradar des Flughafens.

Arbeitsplatz Lotse

 

Arbeitsplatz Lotse

OBURTS – Operating Backup Radio Telephony System

Last but not least: Für den Fall, dass mal das Funkgerät ausfällt (Ja, davon sieht man am Arbeitsplatz nicht viel. Aber schaut mal unter dem Abschnitt „Board“, da liegt ein Mikrofon. Die Frequenzen lassen sich über den Telefonbildschirm rasten) gibt es immer FallBack-Systeme.

Zum „Für den Fall, dass…“-Equipment gehört zum Beispiel auch die Emergency-Checkliste, die ebenfalls im ersten Bild zu sehen ist.

 

Squawk-Box

Wie der Name schon sagt (squawk, engl =quäken, krächzen), wird die Squawkbox benutzt, um anderen Losen etwas mitzuteilen ohne das Telefon zu benutzen. Der Unterschied zum Telefon ist der, dass jeder Lotse (auch Executive) eine eigene Squawkbox hat. Vergisst beispielsweise ein Lotse, einen Flieger zur nächsten Frequenz zu schicken obwohl er schon in den entsprechenden Luftraum einfliegt (bei viel Verkehr kann sowas passieren – man hat viel zu tun), kann der Lotse des betroffenen Luftraums kurzerhand über die Box beim Radarlotsen des vorherigen Luftraums ‚quäken‘.

Dabei verhält sich die Box wie eine Gegensprechanlage, das heißt, man muss nicht warten bis jemand abhebt sondern quäkt quietschvergnügt über Lautsprecher dem anderen Lotsen sein Anliegen vor. Zur Koordination wird weiterhin das Telefon benutzt, zum einen, um den Geräuschpegel niedrig zu halten, und zum anderen weil der angerufene Lotse momentan ja auch beschäftigt sein kann.

Arbeitsplatz Lotse

Wer selber mal irgendwo irgendwas gearbeitet hat, weiß, wie komplex ein Arbeitsplatz sein kann. Vor allem, wenn er sehr speziell ist. Ich hoffe, ich konnte mit den Bildern einige Eindrücke schaffen, mir ist aber auch bewusst, dass es für den Laien zu viel oder zu wenig Information sein kann. Zum Abschluss noch Fotos von meiner Arbeitsumgebung.

Arbeitsplatz Lotse

An- und Abflugsektor Frankfurt

Flugdatenbearbeiter

Fluglotse

Oben im Bild seht ihr wie das OJT abläuft: Der Trainee arbeitet, während der Coach daneben sitzt und mit Rat und Tat zur Seite steht. Im übrigen Center sehen die Arbeitspositionen minimal anders aus – sind aber im Grunde genommen identisch (Bild unten).

Quelle: DFS Mediathek

Bilder: Marco Platzke