„Praxisphasen? Was macht man denn da?“ – solche oder so ähnliche Fragen hört man als dualer Student häufiger. Dass das duale System mir persönlich richtig gut gefällt, weiß jeder, der mich ein wenig näher kennt. Aber was passiert für uns Studenten in so einer Praxisphase überhaupt?

Trackergadget

Vor dem Beginn der Praxisphase wähle ich aus einer Liste von möglichen Arbeiten und spreche schon mal mit den entsprechenden Betreuern, um schon während des Theoriesemesters ein gutes Bild über das Praxissemester zu bekommen. Als Informationstechniker reichen die Aufgaben dabei von der Entwicklung eines Windows-Gadgets für Flugzeugpositionen (siehe das Bild links) über die Dokumentation der Arbeit mit einem „echten“ Flugsicherungssystem bis hin zur Darstellung von Flugverläufen in einer 3D-Engine. Man sieht schon – eigentlich ist da alles dabei.

In dieser Praxisphase (Januar bis März) hatte ich die Möglichkeit, eine Arbeit an unserer Niederlassung in Karlsruhe zu schreiben. Natürlich konnte ich die Gelegenheit nicht einfach verstreichen lassen und sagte sofort zu :-).

Die DFS-Niederlassung in Karlsruhe

„Rhein Radar“ nennt sich die Kontrollzentrale der DFS, die den Großteil des oberen deutschen Luftraums koordiniert. Nach dem Abflug an den großen deutschen Flughäfen wie Frankfurt oder München übernimmt Karlsruhe nach einer Steigphase im unteren Luftraum die Flüge. Ein Großteil des Verkehrs sind außerdem reine Überflüge über Deutschland – wer sich da genauer über die Zahlen informieren will, kann den Mobilitätsberichts des Lage- und Informationszentrums abrufen (ich nehme an, der aktuelle Bericht für 2012 erscheint wie im vergangenen Jahr im April).

Dort dokumentiere ich die Arbeit des „Adapteurs“ mit einem Informationssystem für die Lotsen und Flugdatenbearbeiter. Mit dem Informationssystem können sie sich jederzeit über Frequenzen, vorgeschriebene Regelungen und ihre umliegenden Sektoren informieren und haben Zugriff auf verschiedene Luftfahrtkarten. Da sich die Informationen in der Luftfahrt regelmäßig ändern und übersichtlich strukturiert bleiben sollen, müssen sie kontinuierlich  durch den Adapteur angepasst werden – ein langwieriger Prozess, der die Zusammenarbeit vieler verschiedener Berufsgruppen erfordert. So wird vor den größeren Änderungen die Meinung der Nutzer eingeholt: „Ist das so verständlich? Kann man das noch besser darstellen?“. Nicht selten landen wir dabei auch im Kontrollraum oder der Technik, um vor Ort zu sehen wie das System genutzt wird (das ist übrigens das im Bild auf den oberen Monitoren angezeigte System).

Warum das für mich so spannend ist? Ich kann hautnah miterleben, wie eine kleine Änderung von der Implementierung über die Tests, durch die Abnahme und über das Einspielen bis ins System kommt und kann danach den Lotsen über die Schulter schauen und nachvollziehen, auf welchem Wege wie diese Informationen wie in einem Uhrwerk dorthin gelangt sind. Als Technik- und Luftfahrtbegeisterter kann ich so noch eine Perspektive Flugsicherung sehen.

Natürlich ist das nur eine von vielen Möglichkeiten für die Praxisphase, aber so direkt den tagtäglichen Betrieb kennenzulernen ist immer etwas Besonderes ;-).

Falls ihr noch Fragen habt könnt ihr mir sie gerne jederzeit hier direkt stellen und natürlich – danke für’s Lesen!

Übrigens: Wie das in der Theoriephase an der Hochschule aussehen kann, könnt ihr nochmal in Ricos Artikel nachlesen.