Duales Studium bei der DFSHi zusammen,

ich habe mich oft vor meiner Zeit bei der Deutschen Flugsicherung gefragt, wie es eigentlich ist- dieses duale Studium? Wie kann man die Inhalte, die man an der Hochschule beigebracht bekommt, sinnvoll in der Praxisphase im Unternehmen anwenden?!

Da sich diese Frage wahrscheinlich einige von euch auch stellen und ich nun aus erster Hand aus dem Nähkästchen plaudern kann, werde ich versuchen, meine Erfahrungen so gut wie möglich mit euch zu teilen.

Zuerst nochmal für die, die es nicht wissen: ich studiere an der Hochschule Darmstadt Elektrotechnik und ab dem nächsten Semester die Vertiefung Nachrichtentechnik bzw. Telekommunikationstechnik. Und da im technischen Bereich der DFS sehr vieles mit unserer Radartechnik zu tun hat, sind die Praxisphasen natürlich eine willkommene Ergänzung zu dem Theoriewissen von der Hochschule.

Das schönste Beispiel ist meine letzte Praxisphase: hier habe ich so richtig die Vorzüge eines dualen Studiums erfahren dürfen. Ich durfte einen knappen Monat in der firmeneigenen Instandsetzung/-haltung in unserer Logistikabteilung arbeiten. Nun war mein erster Gedanke: „Oh Mann, ich hab‘ doch gar keine Ahnung von den elektrischen Geräten, was soll ich denn dort überhaupt machen?!“. Tja, weit gefehlt! Zwar durfte ich nicht richtig bei der Instandsetzung von elektrischen Geräten mitwirken, doch mir wurde das Grundwissen für diese Arbeit auf eine praktische Art beigebracht. In der Hochschule war und bin ich ein großer Fan des Faches Elektronik. Da es in der Instandhaltung eigentlich größtenteils darum geht, defekte Geräte wieder zu reparieren, muss man sich auch mit der Elektronik der einzelnen Bauteile gut auskennen. Also bekam ich eine Art „Aufbaukurs“ von meinem Teamleiter in dem Fach. Das klingt ja wieder extrem nach Theorie?! Könnte man denken; das war auch mein erstes Gefühl, aber würde ich so begeistert davon erzählen, wenn es tatsächlich so gewesen ist?! Neee!!! Klar, war es so, dass wir erst mal mein Wissen durchgegangen sind, um zu sehen, ob ich irgendwo noch Lücken hatte, die aufgefüllt werden mussten. Aber danach wurd’s echt interessant!

Praktisches Wissen, Lötkurs inklusive

Es ging los, dass ich mir Schaltungen ausdenken sollte, die die berechneten Messwerte aus den Vorlesungen bestätigen oder sogar widerlegen sollten. Und in den meisten Fällen war es so, dass die Berechnungen in der Theorie stimmten, jedoch die Praxis einem etwas anderes offenbarte. Nehmen wir uns mal einen Transistor als Beispiel: in der Theorie super einfach mit allen Formeln zu berechnen, was für Ströme fließen und was für Spannungen abfallen, aber wer hat uns gesagt, dass die Umgebungstemperatur eine besondere Rolle spielt? Jetzt werden sich wohl einige denken: „Hey Rico, ist doch ganz klar, dass elektrische Bauteile temperaturabhängig sind!“. Sicher ist das klar, aber wodurch kommt das zustande, dass die Bauteile davon so abhängig sind?! Und genau das habe ich ausführlich in meiner Praxisphase gelernt und werde auch ab sofort keine LEDs mehr parallel schalten! Denn das klappt in der Theorie wunderbar, bloß in der Praxis ist das Licht schneller aus als man gucken kann, sobald die Dinger etwas wärmer werden. Aber was ich eigentlich damit sagen will, ist, dass mir die Praxisphase geholfen hat, mein Theoriewissen zu festigen und durch Praxiserfahrungen zu vertiefen. Am Ende meiner letzten Praxisphase wurde ich dann gefragt, was ich denn mal gerne aufbauen würde. Ich habe mich dann dazu entschlossen eine LED- Dimmerschaltung zu entwickeln und auf eine Platine zu löten (der Lötkurs war natürlich inklusive!). Zuerst machte ich mir theoretische Gedanken: wie viel Spannung brauche ich, um die Schaltung zu versorgen? Was für Bauteile benötige ich? Welche Ströme sollen fließen? Hier war mein Wissen von der Hochschule echt hilfreich, aber weniger in der Anfangsphase meines Projektes. Zuerst musste ich wissen, wie sich die Bauteile verhalten, wenn bestimmte Fälle eintreten. Dann konnte ich mit Formeln an die Feinabstimmung gehen. Und Leute, ich war so stolz auf mich, als die Kiste am Ende lief, so wie ich es mir vorgestellt hatte. Da habe ich gemerkt, dass es zwar richtig nützlich ist, wenn man gutes Theoriewissen hat, aber Praxiserfahrungen sind unbezahlbar, denn die spiegeln den wirklichen Ablauf eurer Schaltungen wider.

Ich hoffe, ich konnte euch zeigen, dass ein duales Studium eine gute Hilfe sein kann, um Theoriewissen mit Praxis zu stützen und zu festigen. Und in jeder Praxisphase bekommt ihr einen anderen Einblick ins Unternehmen, was euch ungemein bei eurer Entscheidung hilft, in welche Abteilung es später mal gehen soll.

Bis bald!